Ich verwirr dich mit Fakten!

Nachdem sich die Anfragen häufen und ich sowieso vorhabe, irgendwann einen Bestseller zu schreiben, habe ich der Menschheit dem studierenden Volk einen Gefallen getan und eine Auslandssemester.in.Großbritannien/York-FAQ zusammengeschrieben. Mit all den bedeutenden Dingen, die mich vor der Abreise gequält haben und den ganzen blöden spannenden Fragen, die mir in den letzten Wochen dazu gestellt wurden. Es besteht kein Anspruch auf Seriosität, Ernsthaftigkeit oder gar Vollständigkeit. Vielleicht mal, wenn ich den Literaturnobelpreis gewonnen habe. Also nie.

 

Noch in Deutschland...

 

Muss ich über den Kanal schwimmen?

 

Werde ich unter einer Brücke schlafen müssen?

 

Sollte ich vorher eine Bank überfallen?

 

York – Weltstadt oder verschlafenes Nest?

 

Ich will den Rest der Insel sehen!

 

Studieren. Stimmt. Wollte ich ja auch noch...

 

Und sonst so – Überleben leicht gemacht.

 

 

Großbritannien liegt nicht irgendwo im Urwald, aber der NHS gehört auch nicht zu den tollsten Gesundheitssystemen und man muss es ja nicht unbedingt herausfordern. Ein vorbeugender Besuch beim Zahnarzt und ein kurzer Kontrollblick in den Impfpass sollte also drin sein.

Eventuell nötige Medikamente in ausreichender Menge besorgen. Vieles, was bei uns frei verkäuflich ist, ist in Großbritannien verschreibungspflichtig. Das gilt nicht für normale Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen, diese kann man preiswert in jedem Supermarkt und an vielen Tankstellen bekommen.

 

Auslandsbafög beantragen. Auch wer keinen Anspruch auf Inlandsförderung hat, sollte über einen Antrag nachdenken, die Förderungsgrenzen liegen höher.

 

Als Teilnehmer des Erasmus-Programms die entsprechenden Anträge und Formulare ausfüllen und abgeben. Viele Universitäten überweisen erst dann die Förderung, wenn von allen Studenten der Papierkram erledigt wurde.

 

Ein Urlaubssemester beantragen. Das Akademische Auslandsamt hilft mit dem Papierkram. An manchen Unis kann man das Semesterticket für Urlaubssemester abwählen und muss dann nur den Verwaltungskostenbeitrag bezahlen.

 

Der Personalausweis sollte über den Aufenthalt hinaus gültig sein, ein Reisepass ist für EU-Bürger nicht nötig.

 

Ein Haus pflanzen, einen Baum zeugen, ein Kind kaufen. Hinterher.

 

 

Viele Wege führen auf die Insel. Schwimmen ist nur eine Möglichkeit.

Am schnellsten und billigsten geht es aber mit dem Flieger. Es empfiehlt sich, den Flughafen Manchester zu benutzen und einen möglichst großen Bogen um London zu machen. Ab Manchester Airport gibt es eine direkte Zugverbindung nach York, die 2009/2010 etwa stündlich gefahren ist und zwei Stunden braucht.

Vom Bahnhof in York kann man mit der Linie 1 (Richtung Wiggington), Linie 5 (Richtung Strensall) und Linie 6 (Richtung Clifton Moor) direkt zur Uni fahren. Hier >>> findet sich der Liniennetzplan des gesamten Stadtgebietes und hier >>> der des Zentrums. Um zu St. Johns zu kommen, steigt man an der Haltestelle Gillygate aus.

Nicht verwirren lassen: In York bezeichnet 'Gate' eine Strasse und 'Bar' ein Tor.

Fahrpläne werden übrigens in Deutschland völlig überbewertet. In York fahren die Busse tagsüber etwa sechs Mal in der Stunde, früh morgens und später am Abend entsprechend seltener. Mehr 'Fahrplan' gibt es nicht.

Mit viel Gepäck ist vielleicht ein Taxi das Transportmittel der Wahl. Der Taxistand ist direkt vor dem Bahnhof und eine Fahrt zur Uni schlägt mit etwa £5-7 zu Buche.

 

Eine Anreise mit dem Auto ist natürlich auch möglich und bietet wesentlich mehr Stauraum (Freigepäckgrenze im Flieger oft nur 20kg!) und später einen deutlich größeren Aktionsradius als öffentliche Verkehrsmittel. Zu zweit relativieren sich die höheren Kosten.

Von Deutschland aus gibt es verschiedene Fährverbindungen:

 

Der Ärmelkanal mit Calais / Dünkirchen /Boulogne auf der französischen Seite und Dover in England ist die kürzeste und damit preiswerteste Verbindung. Wenn man rechtzeitig (einige Wochen, zur Ferienzeit mehrere Monate vorher) bucht und eventuell früh morgens oder nachts an Bord gehen kann, kann man schon mit etwa 25€ für eine Strecke über den Kanal kommen. Anbieter sind P&O, Norfolkline, LD Lines und SeaFrance.

 

Der Eurotunnel verkehrt von Calais nach Folkestone und ist vor allem eins: teuer. Unter 100€ ist für eine Strecke kaum etwas zu bekommen. Dafür braucht man auch nur 30 Minuten für eine Überfahrt, während die Fähre (je nach Hafen auf dem Kontinent) zwischen einer und zwei Stunden benötigt. Und es gibt keinen Wellengang. Falls man zu Würfelhusten neigen sollte.

 

Andere Fährverbindungen sind Harwich – Hoek van Holland (Stena Line), Hull – Rotterdam oder Zeebrugge (P&O) und Amsterdam – Newcastle (DFDS Seaways), teilweise sind diese Linien mit Übernachtung an Bord verbunden und dementsprechend teurer. Allerdings spart man sich die Fahrt von Dover quer durch England nach York und muss unterwegs nicht übernachten, was ich ansonsten dringend empfehlen würde.

 

Welche Fähre die beste Wahl ist, knobelt man sich am besten mittels eines Routenplaners und einer Tasse Tee an einem langweiligen Sonntag selbst aus.

 

Die Spritkosten lagen in Großbritannien im Winter 2009/2010 bei etwa £1,10 für den Liter, mit dem damaligen (günstigen) Wechselkurs entsprach das etwa 1,25€ und war damit etwas billiger als in Deutschland. Traditionell kostet Treibstoff in Großbritannien aber eher mehr als bei uns. Mautgebühren fallen in der Regel keine an, Ausnahmen sind die 'congestion charge', wenn man meint, durch London fahren zu müssen und mal hier und da ein, zwei Pfund für irgendwelche Brücken oder Tunnel; man ist also gut beraten, wenn man sich direkt nach der Ankunft etwas Kleingeld besorgt. Nicht alle Mautstellen nehmen Kreditkarten und ohne Beifahrer ist die Kartenzahlung fast schon eine olympische Disziplin, Zahlhäuschen für Linkslenker gibt es nämlich in der Regel nicht.

 

An den Linksverkehr gewöhnt man sich sehr schnell, in der Regel sind die Briten ein freundliches und rücksichtsvolles Autofahrervolk und passen doppelt auf, wenn sie einen Linkslenker erspähen. Für den Anfang kann aber ein kleiner Merkzettel am Armaturenbrett eine Hilfe sein. Innerorts darf man 20/30 mph (30/50km/h) fahren, auf der normalen Landstrasse sind 60mph (100km/h) und auf zweispurigen Strassen (Dual Carriageways, Motorways) sind 70mph (112km/h) erlaubt – wie bei uns im Prinzip auch.

Die Regel 'Rechts vor Links' bzw. 'Links vor Rechts' gibt es nicht, die Vorfahrt ist immer klar auf die Strasse gemalt oder ausgeschildert.

Im Kreisverkehr hat Vorfahrt, wer drin ist und man blinkt schon vor der Einfahrt. Wenn man also die dritte Ausfahrt nehmen möchte (rechts abbiegen), dann setzt man direkt den Blinker rechts und ordnet sich auf der rechten Spur, bzw. innen im Kreisverkehr ein. Wenn man den Kreisverkehr verlassen möchte, fährt man direkt von der inneren Spur in die Ausfahrt; bei zweispurigen Ausfahrten sollte man tunlichst auf der rechten Spur landen. Bei größeren Kreisverkehren blinkt man bei der Ausfahrt kurz links, bei kleineren macht das aber in der Praxis keiner. Die Animation zeigt, wie es funktioniert.

Ich würde dazu raten, ein aktuelles Navi mitzunehmen, das macht das Leben deutlich einfacher.

 

 

Der einfache Weg ist es, sich im Studentenwohnheim einzumieten. Für St. John gilt, dass die Unterkünfte sauber, recht neu und großzügig sind. Man lebt in der Regel in kleinen Wohngemeinschaften und teilt sich Bäder und Küche. Die Zimmer sind komplett möbliert und verfügen über eine stabile Internetverbindung. Außerdem liegen sie recht zentral, haben eine angenehme Nachbarschaft, sind überwacht und man kann in etwa 20 Minuten gut an die Uni laufen, ist also nicht auf den Bus angewiesen.

Es gibt allerdings keine TV-Geräte, und eine Anschaffung eines Gebrauchtgeräts lohnt nicht, da man in Großbritannien eine TV-license benötigt, die nicht ganz preiswert ist.  Die meisten Programme, insbesondere das ausgezeichnete Angebot der BBC, sind aber online verfügbar.

 

Man wird in der Regel zusammen mit den anderen Auslandsstudenten untergebracht werden. Nicht, dass das nicht nett sein wird – aber einen britischen Akzent und die Lebensweise wird man nicht mitbekommen. Wenn man das Glück (oder Pech) hat, mit Briten in einer Wohneinheit zu sein, kommt man direkt vom Regen in die Traufe: Wohnheime sind in Großbritannien traditionell für Erstsemester vorgesehen. Das sind dann gerne mal zarte 17-jährige, die das erste Mal von Mamas Rockzipfel weg sind und so richtig die Sau raus lassen. Das erste Semester / Studienjahr dient sowieso mehr der Akklimatisierung und weniger dem Studium. Ob man das möchte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

 

Ich war mal eben 10 Jahre älter als die meisten und habe mich deshalb für eine private Unterkunft entschieden. Fündig wurde ich hier >>>. Am einfachsten ist es, wenn man selbst eine Suche-Anzeige aufgibt und klar und deutlich sagt, dass man aus Deutschland kommt und nur ein paar Monate bleiben wird. Keinesfalls sollte man sich darauf einlassen, Geld zu bezahlen ohne vorher das Haus/Zimmer gesehen zu haben. Britische Standards und deutsche Ansprüche haben oft wenig miteinander zu tun.

Am ehesten erfolgversprechend wird es sein, 2-3 Wochen vor dem Semesterbeginn anzureisen und dann zu suchen. Die örtlichen Housing/Letting Agents findet man in der Fußgängerzone und die haben ein breites Angebot für Studenten, allerdings wird in der Regel für 12 Monate vermietet. Die Universität bietet eine Liste mit privaten Vermietern und hilft gegebenenfalls auch bei der Vermittlung; allerdings ist dieser Service primär für britische Studenten gedacht, von den Ausländern wird erwartet, dass sie sich für ein Wohnheim entscheiden.

Finanziell unterscheiden sich private Unterkünfte und Wohnheim übrigens nicht. Man kann privat wohl billiger als im Wohnheim unterkommen – dabei muss man sich aber die Frage stellen, ob man das möchte. Lage, Ausstattung, Pflegezustand; ein Preis, der signifikant unter £70 / Woche liegt, hat einen Grund.

Die Miete wird auf dem privaten Markt meist monatlich, manchmal aber auch noch wöchentlich im voraus bezahlt, oft wird die Kaution mit der letzten fälligen Miete verrechnet. Im Wohnheim (York St. John) ist die Miete auf einen Schlag fällig.

 

 

Großbritannien zählt nicht zu den billigsten Ländern, die man sich für ein Auslandsstudium aussuchen kann. Im Süden und speziell in London sind die Lebenshaltungskosten in einem Bereich von sportlich bis unverschämt angesiedelt. York liegt allerdings im spürbar preiswerteren Norden Englands, was den Aufenthalt finanziell erträglich macht. Kleines Rechenbeispiel:

Ich bekam etwa 650€ Auslandsbafög und hatte 400€ Einkommen aus aufgebauten Überstunden meines Nebenjobs in Deutschland. Der Nebenjob ging komplett für die Miete drauf, von den 650€ konnte ich gut leben und mir den einen oder anderen Trip leisten.

Zusätzlich hatte ich noch etwa 1000€ für den ersten, teuren Monat angespart – für Kaution, Bücher, Fahrrad (lohnt sich, wenn man für den Weg zur Uni sonst auf den Bus angewiesen wäre) und anderes.

Man kommt sicher mit weniger Geld aus, aber man sollte dabei im Hinterkopf behalten, dass ein Auslandssemester eine once.in.a.lifetime – Geschichte ist und diese Gelegenheit so schnell nicht wieder kommen wird. Meiner ganz unbescheidenen Meinung nach ist das der falsche Zeitpunkt für Sparsamkeit. Eine gewisse finanzielle Sicherheit ist gerade im Ausland nicht zu unterschätzen.

 

Wenn man (so wie ich) bei seiner Finanzierung auf Bafög angewiesen ist, sollte man den Antrag mindestens 6 Monate vor dem Beginn des Auslandssemesters stellen. Je früher, desto besser. Für das Auslandsbafög ist nicht das Studentenwerk der Heimathochschule zuständig, sondern – je nach Land – eine andere Behörde. Für Großbritannien ist es das Amt für Ausbildungsförderung der Bezirksregierung Köln. Leider scheint man dort wirklich sehr überlastet zu sein; meine Erfahrungen sind alles andere als positiv und nicht zu vergleichen mit dem freundlichen, schnellen, zuvorkommenden, verständnisvollen, netten, kompetenten, erreichbaren (!) und kulanten Heimatstudentenweks. *räusper* Deutlicher möchte ich an dieser Stelle nicht werden. Jedenfalls ist es – neben einem möglichst frühzeitig und vollständig gestellten Antrag – von äusserster Wichtigkeit, dass die erforderliche Bescheinigung der ausländischen Ausbildungsstätte (im Original mit Stempel!) nicht erst eingereicht wird, wenn man sich bereits in York befindet. Eine vorläufige Bestätigung in Form des Acceptance Letters einzureichen, ist nicht ausreichend und führt nicht zu einer schnelleren Bearbeitung.

Beschaffe dir diese Bescheinigung umgehend, sowie sie vom Amt angefordert wird. Das Formular gibt es hier >>>; schicke es direkt per Mail nach York (bzw. deine britische Universität) und mache unmissverständlich klar, dass du den Wisch sofort und im Original (!!) mit Stempel benötigst. Wenn du im Studentenwohnheim untergebracht bist, lasse dir auch direkt die Mietbescheinigung mitschicken, obwohl man die tatsächlich problemlos nachreichen kann.

 

Wenn man das nicht weiß und stattdessen (wie vom Amt angeboten) vorläufig den Acceptance Letter einreicht, damit eine schnellere Bearbeitung möglich ist, und besagten Wisch erst im September zu Semesterbeginn nach Köln schickt, wird man im Oktober immernoch auf sein Geld warten und nach vielen, sehr vielen, wirklich sehr, sehr vielen Anrufen erfahren, dass man zur Zeit an den Anträgen von Juli arbeite und der eigene (im Februar gestellte) Antrag ja erst im September vollständig (!) vorlag. Und dann wird man gesagt bekommen, dass man frühestens (!) Ende November mit einer Zahlung rechnen darf. Das ist der geeignete Zeitpunkt für Beruhigungsmittel, Antidepressiva und ein Gespräch mit der Hausbank.

 

Ein Konto in Großbritannien zu eröffnen lohnt übrigens nicht. Die sind nur für einheimische Studenten kostenlos, Ausländer zahlen ab £6 Gebühr im Monat und müssen das Konto oft für ein Jahr behalten. Wer dagegen ein Konto bei der DBK (kostenlos Geld im Ausland abheben), der Citibank (kostenlos bei den Citibankfilialen) oder Postbank (12 kostenlose Auslandsabhebungen im Jahr) hat, fährt günstig. Andere Banken berechnen bis zu 5€ pro Geldautomatennutzung. EC-Karten werden in den größeren Geschäften, aber in den wenigsten Tankstellen (!!) als Zahlungsmittel akzeptiert. Wer nicht immer mit einer ausreichenden Bargeldreserve unterwegs sein will und auch mal über das Internet Dinge buchen und bezahlen möchte, sollte sich eine Kreditkarte anschaffen.

 

 

York ist ein großes Dorf, jeder kennt irgendwie jeden. Alles hat eine lange Tradition, im Mittelalter war York ebenso wichtig wie London. Vielleicht gilt die Stadt deshalb auch vielen als Hauptstadt des Nordens. Wikipedia liefert einen guten Überblick und Google hat die Stadt mitsamt dem historischen Kern als street view erfasst; hier >>> sieht man York St. John University. St. John liegt direkt ausserhalb der Stadtmauer hinter dem Minster, in das man als Student bzw. Bürger der Stadt übrigens kostenlos rein kann; nur für den Turm wird noch Eintritt fällig. Wer im Wintersemester nach York fährt, sollte sich den Weihnachtsgottesdienst nicht entgehen lassen. 2009 war es eine gelungene Parodie von X-Factor mit wunderbaren Schauspielszenen, einer humorigen Predigt und dem grandiosen Chor.

 

Direkt hinter dem Minster liegt das Treasurer's House, auf der anderen Seite, in High Petergate, ist das Guy Fawkes Inn – beide einen Besuch wert. In der Museum Street findet sich die Kunstgalerie, der Eintritt ist frei, die Ausstellungen sind angesehen. Schräg gegenüber liegt die Tourist Information. Folgt man der Museum Street weiter Richtung Fluss, liegt rechts die Stadtbücherei, die im Frühling 2010 frisch renoviert wieder eröffnet wird. Wer plant, die Insel in größerem Stil zu bereisen, kann über eine kostenlose Mitgliedschaft nachdenken. Es gibt eine große Auswahl spezifischer Reiseführer und Wanderkarten. Biegt man die nächste Möglichkeit links ab, läuft man Lendal hinunter. Am Ende der Strasse befindet sich das Postamt und links quer über den Platz (im Sommer und am Wochenende immer an der langen Schlange zu erkennen) Betty's Café - eine Institution in York und die Quelle für Afternoon tea. Einmal muss man drin gewesen sein. Für mehr wird der Geldbeutel nicht reichen.

Läuft man vom Postamt aus die Coney Street runter, sieht man auf der rechten Seite eine große, auf 4 stehen gebliebene Uhr. Dahinter befindet sich das City Screen Cinema, ein kleines, aber feines Kino im Zentrum. Hält man sich von da aus links, erreicht man die Parliament Street mit Marks&Spencers, dem Markt und die Shambles. Abends kann man sich gut in einem der vielen Pubs aufhalten und englisches Bier trinken. Wer mal ein Pub mit typischer live Musik erleben will, sollte Freitags das Tab&Spile in Monkgate besuchen.

In York ist immer etwas los, speziell der Herbst ist prall gefüllt mit Märkten (York Food Festival, York Farmers Market), Festivals (Illuminating York) und Specials. Einen Überblick verschafft Visit York.

 

 

York liegt praktischerweise recht zentral in Großbritannien, nach Schottland ist es etwa genauso weit wie nach Wales (2-3 Stunden mit dem Auto), die Ostküste ist sowohl mit dem PKW, als auch (ausnahmsweise) mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und bietet malerische Küstenstädte mit viel Landschaft drumrum. Einen Tagesausflug wert ist Whitby, dort wurde Dracula geschrieben, es gibt eine Kathedrale mit Seemannsfriedhof, eine nette Altstadt mit Hafenpromenade und das Magpie Café, einem der besten Fish&Chips Shops des Landes.

Generell reist man am bequemsten mit einem PKW, man kann sich aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Dabei ist zu wissen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel inklusive der Bahn unter Margaret Thatcher privatisiert wurden, was zu einer unglaublichen Vielfalt an Anbietern, teilweise zu hohen Preisen und schlechtem Service geführt hat. Langstreckenbusse sind in der Regel deutlich billiger als Züge, brauchen aber entsprechend länger. Wer Zugtickets frühzeitig übers Internet bucht und die verschiedenen Anbieter vergleicht, kann viel Geld sparen. Anbieter sind unter anderen The Train Line, Virgin Trains und National Rail. Inlandsflüge lohnen, abgesehen von Ryan Air Angeboten nach Irland, nicht.

 

Preiswert und gut übernachten kann man in Youth Hostels, auch als allein reisende Frau. In der Regel wird in den Hostels gegen einen kleinen Aufpreis ein englisches oder kontinentales Frühstück geboten. Viele Hostels sind über die YHA organisiert, was für gleichbleibend gute Qualität spricht. Eine Mitgliedschaft macht sich ab etwa 5 Übernachtungen bezahlt, dabei zahlen Personen unter 26 Jahren für die Mitgliedschaft £10. Wer über 26 ist, nimmt einfach die overseas-Mitgliedschaft und zahlt ebenfalls nur £10. Es gibt neben den YHA-Hostels auch sehr viele unabhängige Häuser von privaten Anbietern, das Internet hilft gerne weiter.

Die Übernachtungspreise im YHA-Hostel gehen von £15 bis £25, manchmal gibt es Sonderangebote. B&B's sind in der Regel nicht unter £40 zu haben und werden weder gerne für eine Nacht noch gerne an Alleinreisende vermietet.

 

Großbritannien ist ein Paradies für Liebhaber von historischem Gemäuer. Wer sich gerne alte Schlösser und Herrenhäuser anschaut, sollte über Mitgliedschaften beim National Trust und/oder der English Heritage nachdenken. Ab etwa 7 Besuchen lohnt sich das. Am besten schauen, welches Angebot einem mehr zusagt, bevor man sich für eine oder beide Mitgliedschaften entscheidet. Dazu kommt eine Vielzahl an privaten Anwesen, die man oft ebenfalls besichtigen kann. Die Anschaffung eines guten Reiseführers ist eine lohnende Investition. Ich habe den Lonely Planet gekauft und war sehr zufrieden.

 

 

York St. John ist eine relativ kleine Universität mit etwa 6000 Studenten, während es die University of York auf gut 15000 Studenten bringt. Entsprechend ist auch das Leben auf dem Campus eher familiär. Man kennt sich, die Dozenten und Tutoren erinnern sich an Namen und kümmern sich. Die Ausstattung ist hochwertig und technisch auf aktuellem Stand. Die Bücherei ist neu und großzügig bestückt, die Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit. Wer sich für die Beginne der Kinder- und Jugendliteratur interessiert, sollte sich die Sammlung viktorianischer Kinderbücher der Bibliothek nicht entgehen lassen. Sollte es Probleme mit der Verfügbarkeit von Literatur während der Klausur- und Aufsatzzeit (Januar, Mai) geben, kann es helfen auf die Bibliothek der University of York auszuweichen.

Man spürt einen qualitativen Unterschied zwischen £3500 und 1000€ Studiengebühren im Jahr. Am deutlichsten macht sich das in den Kursen bemerkbar: diese bestehen in der Regel aus zwei Teilen: Vorlesung und Seminar (+ Filme, Exkursionen). In der Vorlesung wird der Inhalt präsentiert und im Seminar wird er in kleinen Gruppen intensiv erarbeitet. Als Erasmus-Student darf man 3 Kurse belegen. Nicht mehr, nicht weniger. Das entspricht etwa 6 Semesterwochenstunden bei uns. Bleibt also genug Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen.

Hier >>> findet sich die Liste der aktuell angebotenen Studiengänge. Nach einer Auswahl gelangt man zur Kursliste. Klickt man links auf Select, erfährt man, was der Kurs behandelt. Die Semesterangabe bezieht sich auf das Angebot im Studienjahr: Kurse im Semester 1 werden nur im Winter angeboten, Semester 2 - Kurse dementsprechend nur im Sommer. Level gibt den Schwierigkeitsgrad an: 0 ist für absolute Studienanfänger, wenn man große Probleme mit der Sprache hat, kann man das in Erwägung ziehen. Fachlich ist eine totale Unterforderung garantiert. Level 3 ist der Abschlussjahrgang, die Anforderungen sind entsprechend hoch. Level M sind Kurse der Masterstudiengänge und stehen in der Regel nicht zur Wahl, nachfragen kostet aber nichts. Meist gibt ein Kurs 10 ECTS Points. Viele deutsche Hochschulen haben eigene Punktesysteme, die man umrechnen kann. Im Zweifelsfall das Akademische Auslandsamt der entsprechenden Universität fragen. Vor dem Auslandssemester sollte auch abgeklärt werden, ob und welche Kurse später zuhause angerechnet werden können, die Anrechenbarkeit hat nichts mit dem Learning Agreement und den zu erwerbenden Points für das Erasmus-Stipendium zu tun.

 

Apropos Erasmus: dran denken, dass die Uni das Learning Agreement und den Letter of Confirmation abzeichnen muss. Ich habe diese Dokumente fein säuberlich in einem Ordner abgelegt, den Ordner auf die Insel geschleppt, dort hübsch ordentlich ins Regal gestellt, ihn dann völlig vergessen und unangetastet wieder nach Deutschland transportiert...

 

Die Cafeteria ist verglichen mit einer deutschen Mensa recht teuer, bietet aber einen recht guten Einblick in das Alltagsessen der Briten. Alternativ gibt es diverse Cafés, Takeaways und Delis im näheren Umkreis.

 

 

Die besten Sandwiches gibt es direkt neben St. Johns, nämlich bei Tarts&Titbits, Gillygate. Unbedingt probieren. Während man sich in Deutschland für kreativ hält, wenn man ein Laugenbrötchen mit Salami belegt, weiß man im Ursprungsland der gefüllten Brotscheiben, was wirklich toll schmeckt und bei Tarts&Titbits hat man die Meisterschaft errungen. Mit der Kaffeemaschine umgehen kann man dort übrigens auch.

Auch lecker ist Henshelwoods Delicatessen in den Little Shambles am Marktplatz, aber berühmt sind die für ihre Suppen. Wen die Sehnsucht nach Brot mit Kruste überkommt, wird in den Shambles fündig. Die kleine Bäckerei nennt sich Via Vecchia und duckt sich recht unauffällig zwischen die anderen Geschäfte und hat eine rote Türe.

 

Eine lokale Spezialität ist Wensleydale Cheese, ein milder, krümeliger Käse aus den Yorkshire Dales.

 

Die britische Küche ist besser als ihr Ruf und man hat sich inzwischen dazu entschlossen, das auch zu zeigen. Man legt Wert auf lokale, den Jahreszeiten entsprechende Zutaten und frische Zubereitung. In vielen Pubs kann man für £7 - £15 eine gute und reichhaltige Mahlzeit bekommen. Im Gegensatz zum Restaurant bestellt man im Pub alles an der Bar und bezahlt auch sofort. Auf Getränke wartet man, während das Essen gebracht wird. (Es sollen schon Ausländer im Pub verhungert und verdurstet sein.) Trinkgeld ist im Pub nicht üblich.

 

Der britische Klassiker schlechthin ist Fish&Chips. Klar, wenn ein schleimiger Seelachs in pampige Panade geschmissen und dann durch ranziges Fett gezogen wird, hat man da keinen Spass dran. Wenn der Fisch aber am Morgen noch in der Nordsee schwamm, durch einen selbstgemachten Bierteig hüpfen darf und dann in gutem, heissen Pflanzenfett so gebraten wird, dass der Teig eine luftdichte, goldgelbe Kruste bildet und der Fisch in seinem eigenen Dampf gart und dann in einem Bett aus frischen Chips, nicht Pommes, zu liegen kommt, und mit etwas Salz und Malzessig (bei uns reicht man Zitrone zum Fisch, wo ist der Unterschied?) gekrönt wird, ist das durchaus £6 wert. In York gibt’s das bei Wackers, Gillygate oder in den Micklegate Fisheries.

 

Wer es gerne schärfer mag, sollte die diversen Inder und Chinesen probieren. Was in Deutschland der Döner ist, ist in Großbritannien das Curry. In der George Hudson Street gibt es einen gut sortierten, preiswerten orientalischen Supermarkt, der Asiabedarf für die Westentasche lässt sich aber auch im durchschnittlichen englischen Supermarkt finden. Die großen Ketten (ASDA, Tesco, Sainsbury's, Morrisons) schenken sich finanziell nicht viel, gefühlt war ASDA der billigste und Morrisons etwas teurer, dafür besser sortiert. Co-op ist mit unserem Tante-Emma-Laden vergleichbar, nur in der Gegenwart angekommen. Dort gibt es ein breites Bio- und Fairtrade Angebot. Lidl und Aldi gibt es auch, allerdings haben diese Läden in Großbritannien ein anderes Image als bei uns: dort sind sie recht angesehen, weil deutsche Produkte generell einen hohen Stellenwert haben, während ASDA gesellschaftlich etwa dem entspricht, was Aldi und Lidl bei uns ist.

Oft werben große Supermärkte damit, 24 Stunden geöffnet zu haben. In der Praxis bedeutet das, dass man von Montags 8 Uhr bis Samstags 22 Uhr rund um die Uhr einkaufen kann. Sonntags haben diese Läden nur wenige Stunden geöffnet. Die kleinen Filialen in der Nachbarschaft haben in der Regel täglich von 7-24 Uhr geöffnet, auch Sonntags. Der klassische Einzelhandel sperrt im Gegensatz dazu um 17 Uhr die Türen zu, so dass von 18 Uhr bis 23 Uhr der durchschnittliche Brite im Pub anzutreffen ist. Dort kann man seinen Geschmackshorizont erweitern, indem man statt des üblichen Lagers Real Ales probiert, die in jedem besseren traditionellen Pub gezapft werden. Ganz ambitionierte Bierfans können der York Brewery mal einen Besuch abstatten und sich dort durch das Sortiment saufen trinken.

 

In Großbritannien gibt es ein eigenes Steckdosensystem, die Spannung entspricht aber der deutschen. Wer Reiseadapter vergessen hat, oder sich ein Kleingerätekabel (das Anschlusskabel für viele Netzteile, Ladegeräte, Rasierer...) mit britischem Stecker kaufen will, ist bei Maplin am besten aufgehoben.

 

Eine wichtige Anschaffung ist eine britische sim-Karte fürs Mobiltelefon. Wer gerne mal nach Deutschland telefonieren möchte, sollte über eine pay as you go – Karte von O2 nachdenken. Dort gibt es einmal im Monat ein Guthaben für Auslandsfreiminuten wenn man die Karte mit mindestens £10 auflädt, der Tarif nennt sich 'Your Country'.

 

York ist flach und klein, die Busse sind teuer und unzuverlässig und mit dem Rad ist man eh viel schneller. Wenn man an 4 Tagen in der Woche mit dem Bus fährt und pro return-ticket £3 ausgeben wird, kommen in 15 Wochen £180 zusammen. Ab £60 gibt es bei Bike Rescue ein gebrauchtes, technisch auf Vordermann gebrachtes Rad zu kaufen. Wenn man das machen möchte, sollte man es aber sofort bei Ankunft erledigen. Sobald das Semester beginnt, will jeder ein gebrauchtes Rad kaufen und die Wartezeiten werden sehr lang. Ein gutes Schloss ist eine lohnende Investition, hilft aber nur, wenn man das Rad an einen festen Gegenstand bindet. Ich weiß, wovon ich rede.

 

Bücher unterliegen in Großbritannien nicht der Buchpreisbindung, deshalb ist es nicht egal, in welchem Geschäft man seine Bücher kauft. Vieles gibt es in Second Hand Buchhandlungen, die über ganz York verteilt sind. Vergleichen lohnt und so schön unabhängige Buchhändler sind – manchmal ist Amazon eben doch die preiswertere Wahl. Große Buchhandelsketten sind WHSmith (da gibt es auch preiswerte Schreibwaren) in der Coney Street und Waterstones in High Ousegate. Ein guter, unabhängiger, wenn auch nicht ganz billiger Buchladen ist der Little Apple Bookshop in High Petergate. Eine Reihe Second-Hand Buchhandlungen finden sich in Fossgate.

 

Der nächste IKEA ist in Leeds und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zu erreichen, vieles (Bettwäsche, Handtücher) gibt es aber bei ASDA. Geschirr, Besteck und Kochutensilien müssen gekauft werden, wenn man im Wohnheim wohnt. Am besten, man spricht sich mit seinen Mitbewohnern ab, sonst hat man am Ende 5 Pfannen und keinen Topf. Vor dem Einkauf mal beim Hausmeister vorstellig werden – oft hinterlassen die Vorgänger eine große Auswahl funktionierender Gerätschaften, die aber aus den Küchen geräumt werden. Ansonsten gibt es auch auf diesem Gebiet viele Second-Hand Läden, die man bei einem Bummel schnell entdecken wird.

 

Das Leitungswasser schmeckt in York leider ziemlich nach Chlor, das kann man aber günstig mit Squash beheben und spart sich so Flaschenwasser.

 

 

 

Es ist jetzt ungefähr 4587 Wörter später und die ultimative, einzig wichtige Frage die auf der Seele brennt, wurde natürlich nicht beantwortet?

Es ist ausserdem mittlerweile 3 Uhr morgens und diese Frage muss so.fort gestellt werden? Aufschub nicht möglich?

 

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