Baustellentagebuch

Habemus Fliesen!

  Vorausgegangen ein Drama in drei Angeboten:

a)) Der Händler mit dem Grabsteinparkplatz

Empfangen wurde ich von Dagmar Berghoff - oder zumindest einer Doppelgängerin. Einzig am abgesplitterten Nagellack vom Original zu unterscheiden. Die Risiken des Natursteingeschäfts vermute ich...

Es war nach der Hunderunde im nassen Wald - da hab ich mitunter ein wenig Schlamm an den Schuhen und es baumelt auch mal ein Hundespielzeug aus meiner Jackentasche. Vermutlich nicht der erfreulichste Anblick - hat auch ne Weile gedauert, bis Dagmar kapiert hat, dass ich nicht zum Reifen kicken hier bin und bittedanke ernst genommen werden möchte. Ich glaube, letzteres ist mir nicht geglückt - sonst hätte sie mir vielleicht nicht pausenlos widersprochen, als ich meine Wünsche formulierte.

"Nein, grauen Schiefer gibt es nicht! Sowas habe ich noch nie gesehen!"

"..."

"Kann nicht sein, wir hatten sowas noch nie. Das Muster haben Sie bestimmt nicht von uns"

(Ich hatte es leider nicht dabei. Aber Herr Schnösel hat es dann wiedererkannt und mitgenommen...)

Verblieben sind wir damit, dass Herr Schnösel vorbei kommt und sich die Baustelle fürs Angebot anschaut.

Herr Schnösel ist Dipl. Ing (FH), Anfang 30 und die neuzeitliche Version eines Poppers. Herr Schnösel kam, Herr Schnösel hörte nicht zu, Herr Schnösel nahm unseren Wunschzettel, versprach zeitnah ein Angebot und ging wieder.

Das Angebot kam tatsächlich zeitnahe zwei Tage später, war aber nur 3 Seiten lang. Nicht falsch verstehen - ich hab nichts gegen knackige Angebote, aber da fehlte einfach drei mal die Hälfte - insbesondere eine größere Menge Estrich, Spachtel, Wandfliesen und Edelstahlschienen. Obwohl er eeeigentlich nur abschreiben musste..

Kaum weitere zwei Tage später kam schon der Anruf - ob ich Fragen hätte. Ich vertröstete ihn auf später, wenn die Mitbewerber so weit seien. Er sei "total scharf" auf den Auftrag - das hätte ich sicher bemerkt. Ähm, ja.

Die anderen Angebote kamen, und er war auch nach Hochrechnung der fehlenden Posten mit Abstand der billigste. Trotzdem hat er den Auftrag nicht bekommen. Das dazu gehörende Telefongespräch verlief dann so:

"Also von Estrich war ja nie die Rede!"

"..."

"Wir legen grundsätzlich keinen Estrich."

"..."

"Nein, spachteln oder ausgleichen muss man da nichts."

"..."

"Generell ist in meinen Angeboten alles enthalten. Wir sind keine Firma, bei der hinterher Sachen auf der Rechnung auftauchen, die nicht im Angebot waren."

"..."

"Wer hat denn den Auftrag bekommen?"

"..."

"Bestimmt der *****!"

"..."

Tja. Nein, ich habs ihm nicht verraten. Und nein, ein Angebot, das gut 1/3 billiger als der nächstteure Mitbewerber ist, kann nicht in Ordnung sein.

 

b)) Guildo Horn mit der Eulenmütze

Der nächste Kandidat hat seine Ausstellung hinter den lokalen sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Man fährt von der benachbarten Kleinstadt viele Kurven durch den Wald, bis man ganz oben ist. Dann fährt man ins Industriegebiet und ganz hinten, am Rand, sind mehrere große Steinhäufen.

Ich habe geparkt, bin unangemeldet in die "kommen Sie doch einfach spontan vorbei"-Ausstellung marschiert und habe meine Wünsche geäussert. "Das macht mein Schwager, ich hol' ihn mal eben - kleinen Moment.." Einen kleinen Moment später kam Guildo mit dem Stapler angerumpelt und bemerkte, dass er jetzt eigentlich keine Zeit hätte. 10 Minuten später war ich mit einem Termin wieder draussen. Guildo kam einen Tag nach dem Popper. Mit einem uralten LKW und einer Eulenmütze auf dem Kopf. Er hörte zu. Er machte Fotos. Er maß selbst. Er beschloss.

"Nein, so mache ich die Treppe nicht. Das ist nicht DIN-gerecht. Nachher fällt da jemand runter. Wir machen das so-und-so."

(Es dreht sich um 1-2cm und so ganz generell ist das ein Privathaus. Die entsprechende DIN ist völlig irrelevant.)

"Glasscheibe deckenhoch? Nein, das ist nicht ästhetisch. Wir machen das anders."

(Den Kampf hat er noch nicht gewonnen!)

Er brennt für das, was er tut.

Im Keller: "Oh das sieht aus wie eine alte Schwarzküche. Wie in Frankfurt in $$Museum."

(Ich musste nachschauen, was eine Schwarzküche ist. Und er könnte recht haben. Wissen werden wirs wohl nie.)

Im Eingang zu den offenen Sandsteinen: "Schön! Das gefällt mir."

"..."

"So etwas ist was schönes, da ist es egal, ob es perfekt sauber ist oder nicht."

Und das alles mit einer Eulenmütze auf dem Kopf.

Wie erwartet musste ich den ein bisschen zum Jagen tragen und dem Angebot hinterhertelefonieren. Aber dann: alles drin und noch ein bisschen mehr - selbst die Badewanne will er selbst einmauern und als einziger war er so ehrlich, die bei dem Stein nötige Inprägnierung gleich mit anzubieten.

c)) Hape Kerkeling

machen wirs kurz - das war ein bisschen ähnlich wie a)), nur nicht halb so unterhaltsam,  fast 50% teurer und ebenfalls nicht vollständig, dafür mit einigem unnötigem Zeug.

Und hier noch Schiefer, Wandfliesen (wird wohl ein anderes Format; er hatte nur kein handlicheres Muster da..) und Mosaik in ihrem natürlichen Habitat. Der Schiefer wird vom Eingangsbereich über die Treppe in die Küche, vor und auf dem Ofen und in beiden Bädern als Fußboden verlegt werden. Fensterbänke und Ablagen in den Bädern werden auch aus dem Material gemacht. Das Mosaik kommt in die bodengleiche Dusche, weil Eulenmützenmän sagt, dass der Schiefer ein bisschen anfällig für Kalkflecken sei und das in bodengleichen Duschen keine wahre Freude sei. Hat uns sonst auch keiner drauf hingewiesen.

Anfangen will er "mitte März" - ich schätze mal, das wird eher Anfang April. Aber ich glaube auch, dass das gut werden könnte.