Baustellentagebuch

Ich muss mal ein bisschen von unserem Stuckateur schwärmen: pünktlich, hat ein sinnvolles Angebot geschrieben, ist auf unsere Wünsche eingegangen, ordentlich, hält sich an Absprachen, liefert (bislang) tolle Arbeit, hat uns ohne mit der Wimper zu zucken teure Maschinen für die Vorarbeit ausgeliehen (Altputz anschleifen mit einer Giraffe, die sich an Decken ansaugen kann: der Apparillo ist ganz schön mit mir durchs Haus gerauscht...) und musste nicht dran erinnert werden, sondern hat selbst dran gedacht, stellt die richtigen Fragen zur richtigen Zeit (= bevor er anfängt), denkt mit, unterstützt uns bei Eigenleistungen und kontrolliert und bekrittelt die dann tatsächlich (und lässt mich gnadenlos nachbessern...), ist ein Ästhet und Perfektionist ... - meine Güte, wenn die alle so wären...

Diese Woche wird gespachtelt: der große Batzen ist das Ober- und das Dachgeschoss. Da haben wir im Prinzip alles ausser den Giebelwänden mit Gipskarton verkleidet. (Wo ich das Bild so sehe: irgendwann müsste man mal noch die Flex an dem zu langen Mittelpfosten der Wendeltreppe ansetzen. Am besten, bevor gestrichen wird...). Unten ist es nur das Bad und die beiden Zimmer im Flachdachanbau, die mal Arbeitszimmer werden sollen.

 

Und so sieht das dann aus. Vermutlich haben die in der Berufsschule Mittwochs immer Hochseilartistik, sonst gäbe es wohl öfters mal Knie. *hust*

Aber herrjeh - bis wir diese Schätzchen hatten, wars ein ganz schönes Theater:

Geht ja schon damit los, dass sich etliche Betriebe nicht mit Altbauten beschäftigen und da weder Interesse noch Expertise noch Lust haben. Braucht man nicht anrufen. Im Umkreis von so 30km habe ich dann doch ganze fünf Firmen gefunden, die tatsächlich mit den Buzzwords Altbausanierung, Denkmalpflege, Kalk- und Lehmputz etcpp. werben. Wir bereiten auch immer einen "Wunschzettel" mit Plänen und Maßen vor, den wir den anbietenden Handwerkern mitgeben.

#1 kommt aus dem Nachbardorf. Da steht ein Schloss und einiges an traumhaft schönen alten Höfen. Wenn da sichtbar saniert wurde, hat der oft die Finger im Spiel. Also angerufen und den Menschen einbestellt.

Es kam ein kleiner, dicker, lockiger Puttenengel. Auf den ersten ein recht netter Mensch, kann Alt (das muss man ein bisschen wollen; ist halt nichts gerade oder gar einfach), hat Erfahrung mit Kalk und traut sich auch die später anstehende Fassadendämmung zu. Hat eewig lang auf unseren Öhrchen rumgekaut, wie gern er doch Altbauten macht und dass er soo viel Erfahrung mit Selberbauern hat und was nicht alles und haste nicht gesehen. Steckt unseren mehrseitigen Wunschzettel mit allen nötigen Informationen ein und verspricht ein zeitnahes Angebot.

Das kam dann auch tatsächlich ein paar Tage später und ich zitiere (sinngemäß) den vollständigen Inhalt:

"Danke, alles toll, wir bieten das nu als Rapport an - Stunde kost' 50€, Material kommt extra. MFG"

Tja - nur ob wir von 10k€ oder 30k€ für das Projekt reden, war uns nicht klar. Also angerufen und mit dem Vorzimmerdrachen besprochen, dass ich gern ein vernünftiges Angebot hätte.

3 Wochen später hat dann der Vorzimmerdrache zurückgerufen. Glaubste nich, wennde nich dabei warst.
Inhalt des Gesprächs:

"Ich hab do jetzt Antwort vom Chef aufm Zettel. Er schreibt, dass des wohl so zwische 500 und 1000 Stunde Arbeid sinn un ebbes anneres könnt er mir nedd sage, wenns fair bleibe soll."

Ich meinte dann, dass ich damit nichts anfangen kann und ein vernünftiges Angebot brauche [reminder: die Handwerker bekommen von uns einen ziemlich vollständigen Wunschzettel und müssen eigentlich nur noch Zahlen einfüllen und ein bisschen denken]. Inzwischen sind auch 4 andere Stuckateure da gewesen und alle [white lie] haben inzwischen ganz normale Angebote mit Einzeplosten und Summen drauf abgegeben und unten steht dann eine Endsumme... Völlig irrsinnig scheint mein Anliegen also nicht zu sein.

"Hend Sie sich denn scho entschiede?"

Nein, aber wenn noch Interesse ihrerseits besteht, würde ich zeitnah ein vernünftiges Angebot brauchen. [noch ne kleine Notlüge, aber die Neugierde hat mich dann doch geplagt]

"I richts fei aus."

Nie wieder was von gehört.

Warum kann man das nicht einfach gleich sagen? Keine Ahnung, wie oft ich den Schwank jetzt schon zum Besten gegeben hab...

Kandidat #2 war schon etwas vernünftiger, ein leicht verplanter Öko, der irgendwie in den 80ern hängen geblieben ist.  Der fand alles ganz toll, hatte Rieseninteresse an dem Auftrag (ist ja auch toll: im Winter ist eh saure-Gurken Zeit, da dann was fünfstelliges im beheizten Innenraum hat schon was für sich...) und uns schon ganz große Ankündigungen gemacht.

Nie wieder was von gehört. Trotz zweier Nachfragen.

Kandidat #3 kam Samstag früh schon nach Bier riechend im dicken Audi, aber mit völlig abgefahrenen Reifen auf den Hof und hat dann auch noch semiprofessionell über andere Kunden gesprochen.

Es kam zwar ein (nichtmal schlechtes) Angebot, aber irgendwie war er schon direkt disqualifiziert.

Einzig die Kandidaten #4 und #5 waren dann letzten Endes ernst zu nehmende Leute, die man auch in sein Haus lassen möchte und (!) in der Lage, brauchbare Angebote abzugeben. #4 hat sich dann noch so Scherzchen erlaubt wie "1lfm Fensterleibung komplett kostet xyz€" anzubieten, dann aber nicht die tatsächlich benötigte Menge auszurechnen, sondern nur besagten einen Meter. So kommt man dann natürlich zu einem ganz toll niedrigen Endpreis. (Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass wir nur die Stückzahl der Fenster und keine genauen Meterangaben angegeben hatten. Wir sind ja Laien. Deshalb schreiben wir auch Wunschzettel und keine Aufmaße.)

Und deshalb bin ich so entzückt von #5.

 

Anderer Leute Krümel  

 
#1 Pille 2016-01-28 17:32
Wo bleibt denn das Update heute? Hä???